Augenblick

Der Augenblick,

wenn der Lebenslärm gewichen,
dunkel leer der Raum

wenn die Stille zu Dir spricht
in großen schwarzen Worten

wenn das Werk getan
die Konsequenzen daraus getragen

wenn die Gedanken gedacht
die Sorgen durchstanden

wenn Wichtiges den Wert verloren
alles fahl und leer erscheint

wenn Du Dich nach innen wendest
der stillen Worte endlich traust

wenn das Sein Dich wegträgt
in eigener Ruhe Wirklichkeit

Wenn Du im Reinen mit Dir und Deiner Welt
zum Gehen ansetzt

und dann doch immer und immer wieder
neu anfängst

verstehst Du die Länge des Lebens
seinen unerfüllten Traum

des schmerzlosen Daseins
als Utopie.

Werthers Alter

Was als Leiden begann
in jugendlichem Überlebenskampf wuchs
blutig, rauh, hart und schmerzhaft

in Unendlichem strandete, im ewigen Wollen
seine Fühler ausstreckte ins endlose Sein

ist nun in ein langsames Siechen übergegangen
in ein sanft betäubtes Gleiten in eine bessere Zeit.

Die geschlagenen blutenden Wunden sind jetzt vernarbt
Sie schmerzen dennoch weiter,
erinnern an einstige Lebendigkeit.

Der Tod tut nicht weh, mein Freund. Nein, er befreit.

Mir gefällt die Milde dieses langsamen Sterbens,
ihr jung Gegangenen erfuhret sie nicht.

Sie ist Gnade. Sie ist Weisheit. Ja, Sie ist Licht.

Der Kreis schließt sich. Die Tage werden kürzer.
Die Nacht gewinnt endlich ihr Ich zurück.

So ist es, so wird es sein. Wir hatten unsere Chancen,
wir hatten unsere Zeit.
Wir hatten unsere Gedanken, unseren Willen, wir hatten
unser Wissen.

Die Welt hat daraus sich selbst neu gemacht.
Und uns hat sie dabei dabei vergessen.

Immer ist es so, immer ist es so gewesen,
die Welt ist nur der Welt genug.
Sie lügt, sie straft denjenigen, der ihre Last
lebenslang auf seinen schmalen Schultern trug.

Einst als junger Kämpfer habe ich den Ausstieg verpasst.
So wurde mir keine Ehre zuteil. Ich wurde kein Held,
gebaut kein heroischer Thron.

Aus dem Schmerz des jungen Werther ist ein dumpfer Groll geworden,
ohne Schärfe, ohne Ton, ohne ach, die lustigen Lieder,
ohne jede vernünftige Form.

Ich möchte Dir, Welt, diese Zeilen hinterlassen,
ich habe nämlich verstanden, dass es Teil der Welt sein muss,
alles Alte zu hassen.

Dass Auferstehen nur der Gestorbene kann,
und sei es in seinen Gedichten.

Die Leiden des Jungen haben ihr Ende gefunden.
Weil der Junge plötzlich alt geworden war.
Er kann dadurch nicht weniger empfinden,
Er kann es nur besser verstecken.

August-Tag

Ach, wie ich den Herbst schon kommen fühle,
die Zeit des Jahres, in der wir Poeten
uns verlieben.
Es ist Ironie, gerade den Geruch des
verwesenden Sommers zu lieben.
Aber mit den Blättern des goldenen Herbstes,
puderzuckerweiß hauchdünn überfroren,
leicht knisternd unter meinen Füßen,
die Hunde rennend im nebligen Wald,
die Kühle und Frische der kalten Luft atmend,
warte ich auf den Winter, der kommt…

Noch ist es warm und mild am Tage,
dann große Stürme, heulende Winde,
ein Kampf um das Stehen, Bleiben,
bevor ich in die tödlichen Arme
des tiefen kalten Winters falle.

Ungelöstes Grabsteinrätsel in Ost-Finnland

Hier mal was für unsere Software-Tüftler und Verschwörungs-Theoretiker: Im Osten Finnlands (in der Geburtsstadt meiner Großmutter, Savonlinna) hat man einen Grabstein mit einer seltsamen Punkt-Schrift entdeckt. Bislang hat niemand den Inhalt der Botschaft entschlüsselt – ja, man weiß nicht einmal, ob auf dem Grabstein früher Buchstaben aus Metall angebracht waren, die im Krieg gegen Essbares eingetauscht wurden. Vermutlich ist der Stein russisch – im Kloster Valamo im Laatokka-See gibt es ähnliche Steine. Es wird spekuliert, dass es sich bei den Punkten um eine alte Blindenschrift handeln könnte, die von den Mönchen dort früher benutzt wurde. Aber Genaues weiß man nicht. Selbst Universitäts-Experten haben bislang keine Antwort auf das Rätsel. Der Stein ist aus einer Art Beton und höchstens 150 Jahre alt. Der Totenkopf war angeblich auch Zeichen der Freimaurer zu der Zeit in Karelien. Angeblich wird der Name “Tarasov” mit dem Stein verbunden. Vielleicht ein Anhaltspunkt für Dechiffrierwillige.

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Original-Artikel: hier: http://tmopieppo.vapaavuoro.uusisuomi.fi/kulttuuri/167069-tuntemattoman-hauta

Neues wagen.

Neues wagen.

“Durch die Jahrhunderte gab es Männer, die ihre ersten Schritte auf neuen Wegen unternahmen – mit nichts weiterem als ihrer eigenen Vision. Ihre Ziele unterschieden sich, aber sie alle hatten dieses gemeinsam: Dass der Schritt der Erste war, der Weg neu, die Vision unerfüllt, und die Antwort, die sie bekamen – Hass. Die großen Schöpfer – die Denker, die Künstler, die Wissenschaftler, die Erfinder – standen alleine gegen die Menschen ihrer Zeit. Jeder große neue Gedanke wurde bekämpft. Jede große neue Erfindung wurde verleugnet. Der erste Motor wurde als blödsinnig empfunden. Das Flugzeug war unmöglich. Die automatische Webmaschine war böse. Anästhesie wurde als Sünde betrachtet. Aber die Männer der unerfüllten Vision schritten voran. Sie kämpften, sie litten und sie bezahlten. Aber sie haben gewonnen.”

aus The Fountainhead von Ayn Rand, eigene Übersetzung

Bild von Cory Doctorow (Flickr) [CC-BY-SA-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

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