Was lange Zeit in der deutschen politischen Berichterstattung als „politically incorrect“ galt und wofür auch der Autor dieses Blogs an den Presse-Pranger gezerrt wurde, erhellt in einem großartigen Artikel die WELT. Auch die werten Journalistenkollegen sollten genau lesen, was Hans Rühle da schreibt. Wir werden es eventuell schneller erleben, als uns lieb sein kann:

… tatsächlich jedoch verschwand das Problem der iranischen Nuklearrüstung weitgehend aus den Schlagzeilen.

Zu Unrecht allerdings, wie die ohne öffentliche Resonanz gebliebenen Berichte der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA) im Jahr 2008 beweisen. In ihrem Bericht über das Verhalten des Iran im Lichte der einschlägigen Resolutionen des Sicherheitsrates vom Mai 2008 zeigte sich die IAEA erstmals „äußerst besorgt“ über die nuklearen Aktivitäten der Regierung Ahmadinedschad.

Am 20. Juni 2008 erklärte der Direktor der IAEA, El Baradei, im arabischen Fernsehen unzweideutig, der Iran sei in der Lage, in sechs bis zwölf Monaten hoch angereichertes Uran für wenigstens eine Bombe zu produzieren („to produce a bomb“). Kurze Zeit später bestätigte David Albright, der wohl beste Kenner des iranischen Atomprogramms, diese Einschätzung.

Der Bericht der IAEA vom September 2008 legte schließlich die gesamte Brisanz der Lage offen. Danach hat Iran seit der Inbetriebnahme der unterirdischen Anreicherungsanlage von Natanz im Februar 2007 480 Kilogramm schwach angereichertes Uran produziert, davon allein 230 Kilogramm von Mai bis August 2008. Da man 700 bis 800 Kilogramm schwach angereichertes Uran benötigt, um die für einen Sprengsatz erforderlichen 25 bis 30 Kilogramm hoch angereichertes Uran zu produzieren, bedarf es, beginnend im September, hierfür nur vier weiterer Monate ungestörten Betriebs.

Mitte 2009 könnte es knallen

Mit anderen Worten: zum Jahresende 2008 verfügt der Iran über genug schwach angereichertes Uran, um bei anschließender Hochanreicherung die kritische Masse für einen Gefechtskopf herstellen zu können. Die Anreicherung auf waffenfähiges Niveau ist dabei technisch kein Problem und nimmt für die erforderliche Menge allenfalls vier Monate in Anspruch. Selbst bei konservativer Extrapolation des September-Berichts der IAEA ist daher festzustellen, dass der Iran Mitte 2009 einen nuklearen Sprengsatz zünden könnte.

Diese Entwicklung vollzog sich mit nicht erwarteter Geschwindigkeit. Immer wieder unterschätzten fast alle Experten die Leistungsfähigkeit des Iran beim Aufbau von Zentrifugen. Zurzeit laufen in Natanz 4000 Zentrifugen des Typs P-1 auf 85 Prozent ihrer theoretischen Leistungsfähigkeit.

Hinzu kommt, dass der Iran nach Angaben der IAEA bereits zwei neue Generationen von noch leistungsfähigeren Zentrifugen einführt beziehungsweise testet: zum einen Zentrifugen des Typs P-2 (aus martensit-gehärtetem Stahl), zum anderen hochmoderne IR-2 und IR-3 Zentrifugen aus Kohlefaserverbundstoffen.

… Die Erkenntnisse der IAEA, dass es zusätzlich zu dem inzwischen offenen Nuklearprogramm ein zweites, geheimes, vom iranischen Militär betriebenes Nuklearprogramm gab, reiften im Jahr 2006. Anlass war die Festplatte eines Laptops, die ein iranischer Informant den USA 2004 übergeben hatte. Auf dieser Festplatte waren mehr als tausend Seiten in der Landessprache Farsi gespeichert, die geheime Informationen über das iranische Nuklearprogramm sowie über die iranische Mittelstreckenrakete vom Typ Shahab-3 enthielten.

…Ihre makabre, in der Sache hochdramatische Note erhält die gegenwärtige Diskussion über den Stand des iranischen Nuklearprogramms durch Vorgänge in der Schweiz. Dort hatten 2004 spezielle Ermittler Datenträger und Dokumente sichergestellt, die über mehr als ein Gigabyte an verschlüsselten Informationen über nukleare Waffen enthielten. Die Prüfung des Materials durch die USA und die Experten der IAEA ergab, dass es sich unter anderem um das vollständige Design für einen kleinen hochwirksamen nuklearen Sprengkopf handelte.

http://www.welt.de/politik/article2774139/Der-Iran-hat-die-Welt-an-der-Nase-herumgefuehrt.html

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