Um 3.33 Uhr (oder: Stimmen der Nacht)

 

Ich wache auf, schweißgebadet,

aus wirren Träumen.

Setze mich, leicht benebelt,

auf meinen Balkon

und lausche in die Nacht hinein.

 

Da fängt, ganz plötzlich,

ein Vogel an, zu singen.

Ganz allein singt er sein wunderschönes Lied

in die dunkle Nacht hinein.

Und niemand antwortet.

Er singt vollkommen allein.

 

Dann, genauso plötzlich,

es muss 4.44 Uhr gewesen sein,

erklingt, weit, weit weg

zart und leise eine zweite Vogelstimme.

Mein Vogel singt nun nicht mehr allein.

Sein Lied wird erwidert.

 

Sie reden nun, die beiden einsamen Vögel der Nacht,

singen ein gemeinsames Lied,

eine wunderschöne Melodie.

Sie teilen sich gegenseitig mit,

in vollkommener Harmonie.

Plötzlich ist keiner mehr einsam.

 

Um 5.55 Uhr dann,

es wird nun schon hell,

erschallt ein ganzer Chor von singenden Vögeln.

Sich steigernd zu einer wahren Kakophonie,

trällert jeder sein eigenes Lied.

 

Ein heilloses Durcheinander von verschiedenen Melodien

erschallt nun in der Morgendämmerung.

Noch immer singt mein Vogel,

doch die Schönheit der Melodie

der beiden Einsamen

geht im Lärm der Massen

verloren.

 

Warum nur singt mein Vogel der Nacht

Als erster einsam ins Dunkel?

Um die anderen zu wecken.

Um unverwechselbar gehört zu werden.

Um sein einzigartiges Lied zu senden.

Um mit dem zweiten Einsamen,

weit weg, die perfekte Melodie zu spielen.

 

Der einsame Vogel der Nacht –

Das bin ich.

Und die zarte Stimme weit, weit weg,

das bist Du.

Um 4.44 Uhr haben wir gemeinsam gesungen.

Ich liebe Dich.

 

(Bild von Pezibear auf Pixabay)

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