Eigentlich ist es ja Zeit, auf HD-Video umzusteigen. Jeder einigermaßen aktuelle LCD-Fernseher und PC-Monitor kann mittlerweile Full-HD Video darstellen. Auch die Camcorder der 1000 Euro Preisklasse beherrschen mittlerweite das HD-Format.

Nun brauche ich aber für unsere Veranstaltungen ein robustes Gerät – mit Saaltoneinspeisung, wenn möglich. Weiterhin sollte die Kamera streamen können. Diese Features fand ich dann auch in einer Panasonic AG-HMC71E, die wir günstig auch kauften. (Liste bei Erscheinen 2008: 2200€)

Das Gerät nimmt auch tolle Videos in HD-Qualität auf und, was mir wichtig war, auf SD-Karte. Dem stundenlangen Spulen auf mini-DV-Bändern und dem ekelhaften Einlesen der Videos trauert nun wirklich niemand nach. Auf eine 8 Gigabyte SD-Karte für (derzeit) 16 Euro passen dann je nach Auflösung 80 Minuten bis drei Stunden Video. Spätere 16,32,64 GB Karten werden noch viel mehr ermöglichen.

Nun zu den Schattenseiten. Der Camcorder nimmt im AVCHD-Format auf – ein komprimierendes mpeg4-Format, welches auch Festplattencamcorder nutzen. Wenn ich nun ein Video aufnehme, kann ich es von der SD-Karte per Camcorder-Eigener Software von der Kamera ziehen.

Praktischer aber ist es, die fertigen Dateien von der SD-Karte als Dateien direkt in das Schnittprogramm zu ziehen, schließlich hat ja beinahe jedes moderne Notebook einen SD-Card-Reader.

Auch das klappt – Allerdings versteckt das Gerät die Dateien gut im Filesystem der Karte. Da muss man lange suchen. Was man dann bekommt, sind .mts-Dateien. Die kann ein Windows Mediaplayer 11 sogar abspielen.

Wenn man jedoch versucht, diese Dateien in ein Schnittprogramm zu importieren, wird es schon schwieriger. Programme vor 2008 gehen gar nicht und einige Profiprogramme bis heute nicht. Ich benutze das vielgelobte „Magic Video“ in der Plus-Version von 2008, welches laut Verpackung auch HD-Video kann.

Denkste. Um AVCHD-Dateien importieren zu können, muss man zunächst zwei Plugins bei Magix freischalten, das Dolby-Stereo und das mpeg4-Plugin. Das letzere ist kostenpflichtig, aber mit 5 Euro günstig.

Die Firma Magix macht es dem geneigten Video-Filmer aber mehr als schwer, an dieses Plugin zu kommen. Man muss sich registrieren und sogar die Handynummer preisgeben, weil der Bankeinzug angeblich nicht ohne SMS-Verifikation auskommt. So ein Blödsinn. Hier werden lediglich Adressen und Handynummern gesammelt und wahrscheinlich weiter gedealt. So kommt mir es jedenfalls vor.

Nach drei Versuchen hatte ich dann endlich das begehrte Plugin und kann nun tatsächlich .mts-Dateien in Magix importieren und dort bearbeiten. Auf Wunsch kann man die Dateien auch beim Import für das Netz herunterrechnen lassen.

Problem eins also gelöst. Doch nun fingen die Schwierigkeiten erst richtig an.

Der Camcorder hat einen HDMI-Ausgang. Schön. Nur gibt es bis dato kein Notebook mit HDMI-Eingang! Für stationäre PCs gibt es auf dem Markt genau eine PCI-Express-Karte mit HDMI-In. (Black Magic INTENSITY-PRO) für 250 US-Dollar. Die Fima Matrox biete eine Box für knapp 400 Euro an. (http://www.matrox.com/video/en/products/mxo2_mini/)  Professionelle Boxen kosten mehrere tausend Euro.

Für Notebooks gibt es keine PC-Express-Karte mit HDMI-Eingang. Die Begründung dafür ist so einfach wie blöd: HDMI wird bevorzugt von der Filmindustrie verwendet, weil darin eine Kopiersicherung eingebaut ist.

Wie soll ich jetzt aber das Bild für meinen Livestream aus dem Camcorder in das Notebook bekommen? Firewire hat der Camcorder nicht, dafür das Notebook. USB hat der Camcorder zwar, aber er kann damit nur die Speicherkarte auslesen und Bilder übertragen.

Also hilft nur der (absurde!) Weg über den composite-Ausgang des Camcorders mittels eines USB Video Grabbers am USB2.0 in das Notebook. Das funktioniert sogar.

Leider kann mein Notebook aber den Ton vom USB-Gerät nicht abgreifen. Das liegt daran, dass Windows Vista nur „zertifizierte“ Treiber in den Audio-Einstellungen des Betriebssystems zulässt. Grund hierfür ist derselbe wie oben: Aus vorauseilendem Gehorsam verweigert das Betriebssystem aus „Kopierschutz“-Gründen dem Treiber, aus MEINEM Camcorder MEINEN Ton in MEINEN Rechner zu bringen!

Zum Glück kann man den Treiber entfernen und durch einen anderen USB-Audio-Treiber ersetzen. Dafür muss man das Audio-Device im Gerätemanager deinstallieren und bei der Neuinstallation den Standard-Windows-USB-Audio Treiber benutzen.

Und nun kann ich auf SD-Karte aufnehmen und gleichzeitig den Stream bedienen. Allerdings völlig sinnlos über den Umweg analog. Die Qualität ist gut genug. Doch eigentlich hätte die Kamera ja auch USB-Streamen können…

Liebe Hersteller: Warum bringt ihr Produkte auf den Markt, die Standards haben, für die es (noch) keinen Zubehör gibt?

Liebe Hardware-Hersteller: Warum lasst ihr euch von einer geldgeilen Filmindustrie so beeinflussen, dass man mit eurer teuren Hardware eben NICHT das machen kann, wofür sie gedacht ist?

Zu guter letzt: Hier ein Video für alle Bastler, die Full-HD-Video auf der Festplatte per HDMI haben wollen: http://www.vimeo.com/4083139. Kostenpunkt ca. 600 Euro. Dafür hat man dann aber das volle Full-HD-Signal auf der Festplatte und kann damit arbeiten, wie die „großen Jungs“ in Hollywood auch.

Mein Rat für alle, die ein funktionierendes MiniDV/Firewire/USB-System haben: Nicht neu kaufen und abwarten, bis sich die neuen Standards etabliert haben. Es sei denn, Sie besitzen ein Bastler-Gen…

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