Es kam dem alten Hasen wie gerufen: Das Thema Innere Sicherheit. Kaum besser hätte sich Roland Koch seinen Wahlkampfstart in Hessen wünschen können – als dass zwei minderbemittelte Schläger einen Renter vor einer Kamera krankenhausreif prügeln.

Dass das im tiefschwarz regierten Bayern passiert, interessiert zunächst niemanden. Auch, dass die erste Nachahmer-Tat im eigenen Hinterhof Frankfurt passiert, nicht. Weiter ging es dann mit Berlin und gestern Heilbronn.

Als gehässiger Kommentator könnte man schreiben: „Auch wo die CDU regiert, werden Rentner verprügelt“. Das aber tut keiner. Warum eigentlich? Weil schon immer geprügelt wird. Und zwar egal, wer regiert.

Weder in Berlin noch in Stuttgart sind wir in den S-Bahnen vor verrückten, besoffenen Einzel-Täter-Gruppen sicher. Wir waren es auch noch nie. Immer schon wurden in Großstädten Menschen überfallen. Und immer schon hat sich die Masse feige weggeduckt. Überall in den Großstädten gibt es pöbelnde Ausländer-Gangs. Das ist irgendwie Mode. Und gehört bestraft.

Doch warum benutzt Roland Koch gerade das Thema Innere Sicherheit für seinen Landtagswahlkampf? Wo er doch Polizeistellen abgebaut und Dienststellen geschlossen hat?

Ganz einfach. Es ist wie im Universum allgemein: Es gibt eine große Menge an Dunkler Materie im Raum. Die sieht man nicht, und doch ist sie da. Mann kann ihre Schwerkraft nachweisen. Sie hat Masse, also Gewicht. Und in der Politik sogar das Wahlrecht.

Kochs Dunkle Materie heisst mal „schweigende Mehrheit“, mal „Nichtwähler“, mal „Patrioten“. Ich nenne es schlicht den Rechten Rand.

Die Dunkle Materie des deutschen Politikbetriebes sind all diejenigen Stammtischbürger, die schon immer latent ausländerfeindlich, amtisemitisch, deutschnational und kleinbürgerlich waren. Es ist genau die Klientel, die in den späten 20er-Jahren die NSDAP groß gemacht hat.

Sie dachten, die gäbe es nicht mehr? Irrtum. Sie konnten sie lange Jahre nur nicht sehen. Schließlich sind sie ja dunkel. Immer wieder tauchen sie auf – in den Reden eines Franz-Josef Strauß genauso wie in den Unterschriftenaktionen des Herrn Koch oder bei Herrn Schlierer im Stuttgarter Landtag. Sie leben mitten unter uns: Handwerker, Juristen, Lastwagenfahrer, Verkäuferinnen, Beamte. Menschen wie Du und ich, Menschen mit eher einfachem Gemüt, starkem Gerechtigkeitssinn und dem Drang zur Vereinfachung. Nein, ich meine nicht die grölenden NPD-Idioten. Die sind ja leider nur allzugut sichtbar.

In der Physik hat man die Dunkle Materie noch nicht abschließend erforscht. In der Politik schon. Und das, was da zutage kam, sollten wir nicht nocheinmal aufwärmen. Ein Wahlsieg der CDU in Hessen in allen Ehren, Herr Koch. Aber bitte mit sauberen Mitteln. Und im prallen Scheinwerferlicht.

Die Dunkle Materie hat im Universum einen Anteil von 70% aller Materie. Das ist eine satte Zweidrittelmehrheit. In der Politik ist deren Anteil derzeit unbekannt. Doch wehe, sie beginnt mal zu leuchten.

Links dazu:

Koch vergrätzt Junge Liberale

http://www.zeit.de/2008/03/Jugendkriminalitaet

http://de.wikipedia.org/wiki/Dunkle_Materie

One Response to “Kochs Dunkle Materie”
  1. […] Hessen hat Roland Koch es nicht geschafft, die “dunkle Materie” an die Wahlurnen zu locken. Noch schweigt der Rechte Rand. Vielleicht weil sie keinen […]

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