Heute erreichte mich ein seltsamer Pingback aus der Blogosphäre: Ein FDP Watchblog war wohl auf unser Parteiblog gestoßen. Nun, ich habe schnell geschaut und stellte fest, dass da jemand eine Liste liberaler Blogs sammelt. Schön. Gut. Aber nun wirklich nix neues. Da gab es mal den Liberal-Server, da gibt es MyFDP und zig andere.

Was mich einerseits an der Watchbloggerei erfreut, ist die Aufmerksamkeit, die sie generieren – was mich aber extrem nervt, ist der herablassende und arrogante Ton, mit dem jeder dahergelaufene Nerd auf WordPress.com einen Blog aufmacht, drei Beiträge postet, und meint nun über Gut und Böse einer ganzen politischen Richtung entscheiden zu können. Nein, meine Herrn, so geht das nicht. Politik ist für die hier Handelnden kein Hobby. Und im Gegensatz zu manchem spätpubertären Blog-Jüngling geht es bei den Entscheidungen, die in den Gremien der Partei getroffen werden WIRKLICH um etwas.

Kritik in allen Ehren. Und konstruktive Kritik nehmen wir gerne auf. Aber NUR mit kritisieren ist es nicht getan: BESSER MACHEN! Und da braucht man nun mal die Strukturen der Partei, oder? Kritik ist unser täglich Brot. Aber aus den eigenen Reihen muss das nicht sein, und SO schon gar nicht.

Weiterhin schleicht sich immer dann, wenn man in der FDP von der „FDP“ „beobachtet“ wird ein ziemlich ungutes Gefühl von rechts ein. So auch hier. Die Rhetorik kommt mir bekannt vor und verweist in die Richtung Libertär. Und von denen hatten wir in unseren (nun leider toten) Foren ja auch wahrlich genug. Passt bloß auf, dass ihr nicht auch noch die Blogs killt mit eurem Radikalismus.

Also beobachten wir mal die Beobachter. Und schauen, wie viel Sinnvolles sie tatsächlich für unsere LIBERALE! Sache beitragen können.

http://fdpwatch.wordpress.com/

2 Responses to “FDP Watchblog”
  1. Zum einen ist das ein offenes Projekt, an dem sich jeder beteiligen kann, zum anderen besteht das Watchblog noch gar nicht so lange, als dass da megaviele Artikel hätten erscheinen können, zumal dass naturgemäß vorwiegend bei Missständen passieren soll.

    Zum anderen ist Robert Hesse kein Libertärer, jedenfalls empfinde ich das nicht so, nach allem, was ich so von ihm gelesen habe. Und auch die übrigen Autoren des Watchblogs würde ich nicht dem libertären Lager zuordnen. Und die Aufforderung, selber etwas zu tun, der kommt zumindest Robert Hesse doch unzweifelhaft nach!

    Aber selbst wenn, was wäre daran so schlimm? Kritik kann man doch mit Argumenten begegnen.

    Nur weil es bei Gremienentscheidungen „wirklich um etwas“ geht, darf man die dennoch verkehrt finden, kritisieren und diskutieren. Und dazu ist dieses Watchblog geschaffen worden. Dass es sich darauf nicht beschränkt, sondern zum Beispiel eine Liste von FDP-Blogs bringt, zeigt doch, dass Konstruktivität auf jeden Fall Teil des Konzeptes ist. Ohne diese Liste wäre ich auf dieses Blog hier, trotz starkem Interesse an Blogs aus der FDP, kaum gestoßen. Seither habe ich es auch in meinem Blog verlinkt, überlege aber aufgrund einer so massiven Abwehrhaltung, ob das nicht doch ein bisschen voreilig gewesen ist.

    Die Haltung, dass Kritik aus den eigenen Reihen nicht kommen darf, kann ich nämlich gar nicht ab. Wenn der Kuchen redet, sollen die Krümel Pause machen, oder wie? Sorry aber so kann es erst recht nicht gehen.

    An FDP-Watch habe ich mich zwar bisher nicht beteiligt aber ich schreibe seit gut zwei Jahren ein Blog, in dem ich alles Mögliche kommentiere. Wie glaubwürdig würde es denn bitte wirken, wenn ich zwar jeden für offensichtliche Fehler und aus meiner Sicht unliberale oder schlicht dumme Positionen angreife, bei den wenigen, aber vorhandenen Fällen dieser Art aus der FDP aber beide Augen fest zudrücke?

    Das meine persönliche Integrität und Glaubwürdigkeit im Zweifel mehr zählt, als irgendwelche Parteiinteressen, sollte in einer liberalen Partei eine Selbstverständlichkeit sein und nichts, dessen man sich schämen müsste.

  2. Lieber Herr Lochmann,
    danke für Ihren Kommentar. Wäre ja schön gewesen, ihn direkt mit Trackback zum von Ihnen zitierten Artikel zu verlinken, wie sich das gehört, dann wär er mir nicht erst heute aufgefallen. Soviel zum gekonnten Umgang mit Blogs.

    Zu Ihren Anmerkungen:
    Ich sammle keine Liste von Blogs, mitnichten, vielmehr habe ich mich in die Rolle des durchschnittlichen Webnutzers begeben und mal mit den üblichen Bordmitteln nach Blogs liberaler Politiker, mithin Minister, Abgeordnete und Vorstände bzw. Landesverbände, gesucht. Ihres hab ich trotzdem erwähnt, weil es nett und authentisch ist, jedenfalls anders als das „Haupt-Blog“ der FDP-BaWü.

    Ich schreibe in herablassendem Ton. Das stimmt und hat einen guten Grund. Die normale Reaktion der in unserer Partei verantwortlichen hat nicht verstanden, was Blogs leisten können. Die Mitarbeit zahlreicher liberaler Blogger, die nicht nur einmal von verschiedener Stelle an Bundesgeschäftsstelle und Fraktion herangetragen wurde, wird nicht gewünscht oder beachtet. Augenscheinlich ist man hier und da an Basis-Tips nicht sonderlich interessiert.

    Für Ihre kleinen Nettigkeiten und die Namen, die Sie neben mir auch anderen Bloggern angedeihen lassen, sei Ihnen mein Dank sicher. Würden Sie etwas weiter lesen und die Möglichkeiten des Netzes zur Recherche nutzen, dann wäre Ihnen vielleicht aufgefallen, dass ich zum einen deutlich länger blogge als Sie (der Blog-Jüngling, wenn auch nicht der spätpubertierende, passt dann wohl eher umgekehrt 😉 ), weiterhin zum Thema Web 2.0 an der Uni Leipzig geforscht habe und als Kommunikationswissenschaftler mir auch eine gewisse Expertise zu den von mir beschrieben Aspekten zurechne – in aller Bescheidenheit.

    Politik ist für Sie kein Hobby. Das stimmt sicherlich, zumindest nicht nur, wie ich vermute. Die Arbeit der Parteigremien oder Politiker habe ich auch nicht kritisiert.
    Außerdem schien ich in meinem Artikel deutlich gemacht zu haben, dass Sie es in Ihrem eigenen Lochmann-Blog besser machen als im Hauptblog. Was diese Qualität mit den Strukturen der Partei zu tun hat, würde ich wirklich gerne wissen, in denen bin ich nämlich auch schon seit fast zehn Jahren drin.

    Und da braucht man nun mal die Strukturen der Partei, oder? Kritik ist unser täglich Brot. Aber aus den eigenen Reihen muss das nicht sein, und SO schon gar nicht.

    Ach nein? Sind wir bei der Union oder der SPD? Kritik aus den eigenen Reihen ist das allerbeste überhaupt, wenn sie denn gehört wird und nicht als „Spinnerei von Jünglingen“ abgetan wird.

    Weiterhin schleicht sich immer dann, wenn man in der FDP von der “FDP” “beobachtet” wird ein ziemlich ungutes Gefühl von rechts ein. So auch hier. Die Rhetorik kommt mir bekannt vor und verweist in die Richtung Libertär. Und von denen hatten wir in unseren (nun leider toten) Foren ja auch wahrlich genug. Passt bloß auf, dass ihr nicht auch noch die Blogs killt mit eurem Radikalismus.

    Da möchte ich Sie doch bitten, etwas zu differenzieren. Mir das Schild „libertär“ umzuhängen, ist schon starker Tobak. Mitnichten radikal oder gar rechts. Wie kommen Sie zu dieser Behauptung? Mitunter täte der FDP ein wenig mehr Liberalismus gut, und zwar in allen Bereichen der Politik. Genau darum geht es bei fdpwatch, zumindest in meinen Beiträgen dort und in meinem Engagement in der FDP.
    Freundliche Grüße
    Robert Hesse

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