Die Wurzel 

Ich laufe im Wald. 
Will eigentlich die Natur genießen. 

Mensch sein. 
Ich selbst sein. 
Frei sein. 

Blicke nach oben. 
Und erschrecke. 

Die Hälfte der Bäume sind schon tot. 
Vor Trockenheit.
Aus Mangel an Wasser. 

Lebenselixier. 

Wie in meinem Leben auch. 
Die Hälfte ist vorbei. 
Und ich sterbe, langsam. 

Verdurste. 
Aus Mangel an Liebe. 

Dann, plötzlich, 
ragst Du aus dem Boden. 
Ganz klein. 
Halb vergraben im irdischen Moos. 

Wurzel. 
Die wachsen möchte, 
aber nicht kann. 
Weil Dir ein Felsblock im Wege liegt. 
Und Dich zu krummem Wachstum zwingt. 

Und ich stolpere über dich, 
falle blindlings hin. 
Mit voller Wucht. 

Liege da, auf dem frischen Waldboden, 
und wundere mich verblüfft, 
was gerade passiert ist. 

Stehe auf, 
zum Glück unverletzt, 
und lache laut. 

Glück gehabt, diesmal. 

Aber ich denke über dich nach. 
Warum du mich hast stolpern lassen. 
Und krachend fallen. 

Über deinen Weg, so tief in der Erde. 
Und was Dich an die Oberfläche zwang. 
Zu mir.

Es sind die kleinen Wurzeln, 
unsere Stolpersteine, 
die uns immer wieder hinwerfen, 

und uns daran erinnern, 
auf welchem Weg,
und mit welchem Blick wohin

wir im Seelenwald wandern. 

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