Immer hieß es, die Bologna-Reform des Studiums (Bachelor/Master) in Deutschland werde das Niveau der universitären Ausbildung nicht senken. Nun stellt sich aber genau das heraus, was Studentenvertreter immer schon befürchtet hatten: Systematisch treiben die Bundesländer mit knappen Kassen die Universitäten in eine de facto Master-Quote, im krassen Gegensatz zu allen blumigen Versprechungen von Wissenschaftsminister Frankenberg.

Es ist eben nicht so, dass in Zukunft jeder Bachelor-Absolvent einen Master machen kann. Vielmehr wird die einstmals 9-10 semestrige Regelausbildung an den Universitäten zum 6-semestrigen Bachelor gekürzt. Somit wir das Niveau der deutschen Akademiker durchweg gesenkt.

Der Masterstudiengang wird in Zukunft kostenpflichtig, elitär und mit undurchsichtigen Auswahlverfahren versehen sein. (siehe Artikel unten). Somit wird die Gesellschaftliche Spaltung weiter gefördert und eine „Arbeiterklasse von Akademikern“ geschaffen, die schlechter bezahlt wird und kaum mehr von dubiosen „Dualhochschulabgängern“ oder möchtegern „Universities“ (FH’s) zu unterscheiden ist.

So hat die völlig falsche Bildungspolitik in diesem Lande amerikanische Verhältnisse geschaffen und ein weiteres Auseinanderdriften der gesellschaftlichen Schichten produziert. Anstatt Bildung und Wohlstand für alle gibt es jetzt Kungelrunden und gekaufte Titel für wenige. Wie man in Zukunft mit der Masse der minderwertig ausgebildeten Bachelors eine Gesellschaft in neue Märkte und Technologien führen will, ist mir schleierhaft.

Danke, CDU, mit eurer faulen Bildungspolitik habt ihr nun endgültig alle Errungenschaften der sozialliberalen Koalition der 70er Jahre beseitigt. Nun müsst ihr nur noch das Schulgeld wieder einführen und die Professoren in Talare stecken. Dann seit ihr genau da gelandet, von wo euch die 68er einst vertrieben haben.

Mehr zum Thema im Tagesspiegel:

…es geht um Auswahlverfahren, Kapazitäten und vor allem um knappes Geld und Personal, das zwischen dem grundständigen Bachelorstudium und dem aufbauenden Master aufgeteilt werden muss. Die Kalkulationen aber beruhen auf der Grundannahme der Reform, dass der Bachelor der neue Regelabschluss wird. In den Strukturvorgaben der Kultusminister heißt es, die Mehrzahl der Studenten wechsele mit dem Bachelor in den Beruf. Baden-Württembergs Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) erklärte 2004, nur überdurchschnittliche Bachelorabsolventen mit Interesse an wissenschaftlicher Arbeit würden ein Masterstudium absolvieren. „Dieser Anteil wird aber nur gering sein“, sagte er.

Wie kann ein Minister so daneben sein:

Heute ist aber klar, dass die meisten Studierenden durchaus in den Master gehen wollen. Bei einer Eurobarometer-Umfrage im Auftrag der EU-Kommission gaben drei Viertel aller Bachelorstudenten an, sie wollten den Master anschließen. In manchen Uni-Fächern, etwa den Ingenieurwissenschaften, sind es fast alle.

Frankenberg hat es nicht begriffen: MIT EINEM BACHELOR WIRD MAN IN DEUTSCHLAND NICHT EINGESTELLT! UND WENN, DANN ZU SCHLECHTEREN KONDITIONEN!  Klar wollen die Leute daher den Master. Und weiter:

Nach Einschätzung des Präsidenten des Deutschen Hochschulverbandes (DHV), Bernhard Kempen, stecken die Hochschulen ihre Mittel bis zu 80 Prozent in den Bachelor, beim Master werde geknapst. Genauso sieht die Finanzierung des Hochschulpakts von Bund und Ländern aus, mit dem hunderttausende Studienplätze geschaffen werden: Geld bekommen die Länder für einen Studienplatz jeweils nur über vier Jahre – für den Master reicht das kaum.

Das ist aber durchaus im Sinne der Landesregierungen. Sie wollen vor allem ihre Abiturienten von der Straße bekommen. Baden-Württemberg etwa schreibt seinen Hochschulen keine Übergangsquote vor. Doch das Land legte fest, die Zahl der Studienanfängerplätze dürfe bei der Reform nicht sinken. Bei seinem Ausbauprogramm „2012“ für den erwarteten doppelten Abi-Jahrgang schafft Baden-Württemberg mit jährlich bis zu 150 Millionen Euro 16 000 neue Anfängerplätze. Masterplätze sind nicht darunter. Der doppelte Abi-Jahrgang werde diese ja frühestens 2015/2016 benötigen, heißt es.

Das ist miese Finanztrickserei der CDU-Ministerien auf Kosten der Kinder dieses Landes. Das Niveau der Bildung wird immer weiter nach unten nivelliert. Beispiel:

Der Präsident des konservativen Professorenverbandes DHV, Bernhard Kempen, sieht darin eine Schieflage: „Für Handwerksmeister werden die Zugangshürden im Bachelor-Studium fast auf Null gesenkt, gleichzeitig werden beim Master-Studium durch Noten und Quoten neue Hürden errichtet.“

In einem Land, das die HÄLFTE von dem an Akademikern produziert, wie unsere direkten Konkurrenten z.B. in Skandinavien, eine solch elitistische Politik zu betreiben, ist höchst fahrlässig und gefährdet unsere Zukunft. Nicht nur, dass wir eine riesige Masse an kompletten Bildungsversagern (Migranten, Hauptschüler, Abbrecher) haben, nun wird auch noch der akademische Nachwuchs versaut.

Wir brauchen eine Debatte frei nach Dahrendorf: Bildung ist Bürgerrecht und Bereitstellung von Bildungsressourcen ist oberste Staatspflicht. Schluss mit dem pseudo-elitären Exzellenzgehabe. Wir brauchen eine Bildungsinitiative für alle. Und nicht nur für ein paar gut situierte.

Den ganzen Artikel: „Das Mastermärchen“ finden sie unter http://www.tagesspiegel.de/magazin/wissen/Bachelor-Master-Bologna-Prozess;art304,2846073

One Response to “Die Lüge vom Master für alle”
  1. Wie kommen Sie zu dem Schluss, dass alle Bachelor-Absolventen „minderwertig ausgebildet“ sind? Welche Vorurteile haben Sie auch gegenübern „Dualhochschulabgängern” und möchtegern „Universities“ (FH’s)“? Sollen wir Ihrer Ansicht nach die dualen Hochschulen und Hochschulen für angewandte Wissenschaften abschaffen und nur noch einen universitären Standard einführen? Genau dies wäre aber eine elitäre Ausbildung.

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