Na, geh’n wir abwracken? So könnte schon bald der neue Zuruf der Jugendlichen im Ländle lauten. Fünf Milliarden Euro geben wir alle in 2009 für neue, überwiegend japanische, italienische und koreanische Kleinwagen aus.

Das sind 5000 Millionen Euro. Oder 5.000.000.000 Euro. Für so viel Geld könnte man 2.000.000.000 Schulmahlzeiten zu je 2,50 Euro bezahlen. Bei 9,2 Mio. Schülern wären das 217 Mittagessen pro Kopf und Jahr. Also mehr, als es Schultage im Jahr gibt. (ca. 180). Mit anderen Worten: Alle deutschen Schüler aller Stufen hätten jeden Tag eine warme Mahlzeit kostenlos gehabt.

Oder: Mit den Geld hätte man jedes der 1,8 Millionen Hartz4 Kinder mit 2778 Euro unterstützen können. Oder anders ausgedrückt mit 230 Euro jeden Monat.

Für jedes neugeborene Kind (675.000) hätte man sogar 7407 Euro Prämie bezahlen können. Das wäre doch mal ein Anreiz zum Kinderkriegen gewesen.

Da aber der Bundesregierung ganz offensichtlich die Unterstützung der Billig-Auto­-Industrie wichtiger ist, als es unsere Kinder sind, werden diese demnächst im Kia zur Schule gefahren – zu essen kriegen sie dort trotzdem nichts.

Dass wir mittlerweile echte Ernährungsprobleme bei Kindern haben, kann man hier (http://www.kinder-armut.de/armut/armutsbericht.html) nachlesen. Der Bericht stammt übrigens von der gleichen Bundesregierung, die auch diesen Abwrack-Schwachsinn produziert hat.

Warum reite ich so auf dieser unsäglichen Prämie rum? Nun, weil sie in höchstem Maße ungerecht ist.

  • Sie subventioniert eine gesellschaftliche Gruppe, die andere Dinge nötiger hätte, als ein neues Auto.
  • Sie vernichtet volkswirtschaftliche Werte, weil wertvollere Autos verschrottet werden.
  • Sie verzerrt den Wettbewerb auf dem KFZ-Markt extrem und treibt damit Premium-Marken und Gebrauchtwagenhändler gleichermaßen in den Bankrott.

Wenn man davon ausgeht, dass der aktuelle Pkw-Bestand bei 41,3 Millionen Autos liegt, und der Durchschnittswert eines Pkw in Deutschland beträgt 8800 Euro, sind in den letzten zwölf Monaten etwa 14,5 Milliarden Euro verloren gegangen.

http://www.welt.de/motor/article3520777/Schwacke-Chef-ueber-die-Folgen-der-Abwrackpraemie.html

Wen wundert’s, wenn Daimler demnächst hierzulande Leute entlässt? Mich jedenfalls nicht, als Daimler würde ich es nicht anders machen. Warum im Heimatland investieren, wenn genau das die Konkurrenz subventioniert? Den Finger, den der geneigte Manager da, zumindest gedanklich, aufzeigt, können sie sich dazudenken.

Ganz zu schweigen davon, dass das (noch)Statussymbol Automobil zum Billig-Gegenstand degradiert wird. Das tötet langfristig unsere Automobil-Industrie komplett, denn bei allen anderen Billigwaren beherrschen längst die Asiaten den Markt. Da fällt mir immer wieder der Flachbildschirm ein…. sogar im Landtag hängen welche von LG aus Korea. Warum? Weil es keine deutschen gibt!

Sie lachen? Nun, wir bauen keine Schreibmaschinen mehr, keine Telefone, keine Bildschirme, keine Fernseher, keine Radios, keine Motorroller, keine Festplatten, keine PCs – außerdem beerdigen wir gerade unsere Energiewirtschaft – wir haben kaum noch Textil-Industrie im Land und die Metallverarbeiter werden auch weniger. Und da soll ausgerechnet die kaputtsubventionierte Auto-Industrie langfristig überleben? Wohl kaum.

Für alle, die sich jetzt einen wütenden Kommentar ausdenken ein kleiner Hinweis auf http://de.wikipedia.org/wiki/Kondratjew-Zyklus.

Wir können diese Krise nicht einfach aussitzen! Aus die Zeiten, als man ohne Schulabschluss und besondere Anstrengung „beim Daimler“ am Band 4000 Euro im Monat verdienen konnte. Nicht, dass ich den Leuten das Geld nicht gönne – es tut nur besonders weh, wenn die eigene Familie Jahrzehnte lang „beim Daimler“ beschäftigt war, wenn Haus und Hof damit bezahlt worden sind.

Die eine bittere Wahrheit ist, wir leben vom Image. Fahren tun die China-Wagen auch. Und langsam bekommen die Leute das auch mit.

Die andere bittere Wahrheit ist, dass unsere Industrie zum Teil Technologien der Vergangenheit produziert und kaum nennenswerte Anstrengungen gemacht werden, neue Schlüsseltechnologien zur Marktreife zu bringen.

Diese Regierung behauptet von sich, sie agiere sozial? Und demokratisch? Ziel verfehlt, sitzen, sechs! Abwracken sollte man sie. Und zwar schnellstmöglich und ohne jede Prämie.

0 Responses to “Der Abwrack-Schwachsinn geht weiter”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.