Politische Implikationen der Übertragung aus der Geschichte

 

Nachdem wir nun für unser Gedankenexperiment uns die geschichtlichen Grundlagen angeeignet haben, wollen wir einen weiteren Schritt wagen. Wo andere, vor allem politikwissenschaftliche, Beiträge aufgrund ihrer „wertfreien“ Selbstbeschränkung die Diskussion beenden, wollen wir ansetzen und unsere Erkenntnisse aus der gedanklichen Entwicklung der letzten zwei Jahrtausende in konkrete politische Forderungen, Zielvorstellungen und Handlungsempfehlungen umsetzen. Dazu brauchen wir geeignete Methoden.

 

Zunächst sollten wir jedoch eines klar stellen: Alle hier präsentierten „Lösungen“ sind gedankliche Folgerungen eines Menschen im hier und jetzt. Ich bin sozusagen die Summe meiner Erfahrungen und argumentiere aus meiner individuell und gedanklich beschränkten Weltsicht, aus meiner Zeit und meiner Kultur. Das soll uns aber nicht daran hindern, gedanklich auch große Entwürfe skizzieren zu dürfen – den daraus zwangsläufig folgenden Vorwurf der Anmaßung nehme ich gerne in Kauf. Ein Vorteil der geschichtlichen Argumentation ist die Erkenntnis, das Handeln, gleichgültig ob theoretisch oder praktisch, immer personenbezogen war, ist und sein wird. Als Anhänger der Gleichheitsthese aller Menschen ist die Legitimation für politische Argumente bei allen Menschen gleich groß.

 

Aufgrund unserer geistigen Entwicklungen sind wir zu folgenden geltenden Normen gekommen: Die Gedanken sind frei und jeder kann und soll nach seinen Fähigkeiten argumentieren dürfen, ohne sofort irgendwelchen Vorwürfen ausgesetzt werden zu müssen. Daran wollen wir uns jetzt messen lassen.

 

„Die Verrückten treiben die Welt voran, und der Rest hält sie aufrecht“ – ein Spruch, den ich irgendwo am Wegesrande aufgeschnappt habe. Es ist etwas Wahres daran – denken wir einmal an Van Gogh oder Rousseau. Toleranz heißt gerade auch Akzeptanz von Ideen – auch von Konstruktionen, die uns auf den ersten Blick zu groß erscheinen. Soll doch die Geschichte der Richter über diese Konstrukte sein. Die Geschichte erweist sich meistens als harter aber gerechter Richter.

 

Ich argumentiere also geschichtlich, picke mir in höchst dialektischer Manier These und Antithese aus den jeweiligen Konzepten der relevanten Autoren heraus – und versuche die historisch-logische Verknüpfung dieser Thesen zu etwas Neuem. Wir könnten es einen aufgeklärten Liberalismus nennen – oder besser noch die „Theorie der Verantwortung“.

 

Doch zurück zu unserer Übertragung der Geschichte in die Gegenwart. Wir werden in diesem Kapitel den Status quo der politischen Wirklichkeit beleuchten und uns Ziele setzen, um dann im dritten Teil die methodologischen Grundlagen für das Gelingen des Wandels zu diskutieren.

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