Walther von der Vogelweide, Codex Manese um 1300 (wikipedia.de)

Nach dem Aus der Polis und dem Auftreten der neuen Weltmacht Rom mutiert der Staat von der Bürger-Polis zunächst zur römischen Republik. Immer in der Gefahr aufgrund seiner Großmachtstellung überheblich zu werden, kämpfen die römischen Denker zunächst noch gegen die Willkür. Doch sie unterliegen letztendlich der Schreckensherrschaft der Kaiser. Der Bürger wird zum Gehorchenden, der Mitbestimmende zum Bestimmten.

Nach der Blüte der griechischen und römischen Antike und dem erstarken des Christentums in Europa beginnt sich ein neuartiger Staat abzuzeichnen. Ich nenne den im Absolutismus des 18. Jahrhunderts gipfelnden Staat den „Untertanenstaat“. Das deshalb, weil der einzelne Mensch in der staatsreligiösen, gottgegebenen Gesellschafts-, und Machtordnung wenig wert war.

Leibeigenschaft, kirchliche Dogmen mit Allmachtsanspruch und widrige gesellschaftliche Umstände wie Krieg, Pest und Armut machen den Staat des Mittelalters wenig attraktiv. Gesellschaftliche Entwicklungen finden, wenn überhaupt, nur langsam und in der Abgeschiedenheit der Klostermauern statt. Bis zum Erwachen des Geistes in der Renaissance des 15. Jahrhunderts gilt die Staatslehre als Gotteslehre. Der Kampf zwischen weltlicher und kirchlicher Macht bestimmt das späte Mittelalter, wobei der Papst oftmals obsiegt.

Niemand stellt die Monarchie in Frage. Keiner zweifelt am Christentum oder seiner Legitimation. Gott ist absolut und der Papst sein unfehlbarer Vertreter. Kreuzzüge werden veranstaltet und „Heiden“ mit Blut und Schwert bekehrt. Im Namen des Herrn werden zahllose Menschen geschlachtet.

Dennoch gab es, wie so oft, einzelne Denker auch in dem „dunklen Jahrtausend“. Im folgenden Kapitel wollen wir sie kennen lernen.

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