Was als Leiden begann
in jugendlichem Überlebenskampf wuchs
blutig, rauh, hart und schmerzhaft

in Unendlichem strandete, im ewigen Wollen
seine Fühler ausstreckte ins endlose Sein

ist nun in ein langsames Siechen übergegangen
in ein sanft betäubtes Gleiten in eine bessere Zeit.

Die geschlagenen blutenden Wunden sind jetzt vernarbt
Sie schmerzen dennoch weiter,
erinnern an einstige Lebendigkeit.

Der Tod tut nicht weh, mein Freund. Nein, er befreit.

Mir gefällt die Milde dieses langsamen Sterbens,
ihr jung Gegangenen erfuhret sie nicht.

Sie ist Gnade. Sie ist Weisheit. Ja, Sie ist Licht.

Der Kreis schließt sich. Die Tage werden kürzer.
Die Nacht gewinnt endlich ihr Ich zurück.

So ist es, so wird es sein. Wir hatten unsere Chancen,
wir hatten unsere Zeit.
Wir hatten unsere Gedanken, unseren Willen, wir hatten
unser Wissen.

Die Welt hat daraus sich selbst neu gemacht.
Und uns hat sie dabei dabei vergessen.

Immer ist es so, immer ist es so gewesen,
die Welt ist nur der Welt genug.
Sie lügt, sie straft denjenigen, der ihre Last
lebenslang auf seinen schmalen Schultern trug.

Einst als junger Kämpfer habe ich den Ausstieg verpasst.
So wurde mir keine Ehre zuteil. Ich wurde kein Held,
gebaut kein heroischer Thron.

Aus dem Schmerz des jungen Werther ist ein dumpfer Groll geworden,
ohne Schärfe, ohne Ton, ohne ach, die lustigen Lieder,
ohne jede vernünftige Form.

Ich möchte Dir, Welt, diese Zeilen hinterlassen,
ich habe nämlich verstanden, dass es Teil der Welt sein muss,
alles Alte zu hassen.

Dass Auferstehen nur der Gestorbene kann,
und sei es in seinen Gedichten.

Die Leiden des Jungen haben ihr Ende gefunden.
Weil der Junge plötzlich alt geworden war.
Er kann dadurch nicht weniger empfinden,
Er kann es nur besser verstecken.

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