Großvater gesucht! – Oder wie das Internet Familiengeschichte schreibt

Ein Teil meiner Familiengeschichte ist, daß mein Großvater (vaterseits) amerikanischer Soldat im Zweiten Weltkrieg war. Seit 1954 hatten wir nichts mehr von ihm gehört. Damals verbrachte er ein Jahr in einem Krankenhaus in Yale, Michigan. Von dort kam auch der letzte Brief. Also wußte ich anfangs nur seinen Namen und einige Orte in den Staaten, an denen er sich vor 40 Jahren aufgehalten hatte. Zum Glück besaß ich auch einige Bilder von ihm und seiner Familie.

Wie soll man nun jemanden nach so langer Zeit finden? Ich versuchte erst gar nicht über irgendwelche Behörden zu gehen, da dies erfahrungsgemäß sinnlos ist. Also begann ich auf verschiedenen eMail-Servern in den USA nach Menschen mit dem selben Namen zu suchen. Aus einer Liste von mehreren hundert Namen suchte ich dann ca. 150 heraus, die geografisch mit den vorhandenen Daten übereinstimmten. Nach drei Wochen hatte ich auf 150 Anfragen 50 unzustellbare Mails, 20 negative Antworten und 30 Hilfsangebote. Zwei Wochen darauf erhielt ich eine Antwort, in der alle Einzelheiten wie Ort, Datum, Name stimmten. Schnell noch einmal nachgefragt, Bilder gemailt, Bestätigung erhalten. Ich hatte das Unglaubliche geschafft, ich hatte meinen Großvater gefunden. Er ist 1959 bei einem Autounfall gestorben, deshalb hat er sich nie wieder gemeldet. Gemischte Gefühle hat die Suchaktion in der Familie hinterlassen, doch die jahrelange Spekulation um den geheimnisvollen “grandfather” ist endlich vorbei. Die Macht der modernen Technik ist doch erstaunlich, man kann praktisch jeden auf der Welt finden. Das mag zu denken geben.

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