Wenn nach dem Sturm
der sinnlosen Gewalt
die leere träge ölige
See der Stille kommt

die hilflosen kleinen
kranken und hageren
gebrochenen Gestalten beginnen,
mühsam die Trümmer aufzulesen,

zusammenzukratzen ihre wenige Habe;

wenn die Menschen verstehen
was wurde zerstört
wer wurde verletzt
was wird nie wieder sein,

wer dabei starb – und niemals wiederkommt;

wenn der Wahn vergangen
die Leidenschaft gestorben
die Glut erloschen
das Feuer endgültig ausgebrannt,

wenn Reue machtlos ist
im Angesicht der Vernichtung,
der Wut der Zerstörung,
dem dumpfen Poltern
des fanatischen Kriegs

dann erst
werden wir wieder gelernt haben

was Leben für ein Wert ist,
was Frieden für ein Schatz,
was Liebe für eine Kraft,
was Zeit für eine Freude;

erst wenn die geballt hämmernden Fäuste
schlaff und taumelnd herunterhängen
und sich langsam öffnen
zu hilflos bettelnden Handschalen,

erst wenn trübe traurige Augen bitten
anstelle des Hasses Glanzes Befehl,
wenn kleine heiße beißende Tränen
das dumpfe Gelächter der Sieger ersetzen;

wenn Bilder des Diktators mit Füßen getreten,
goldene Paläste geschändet,
Fürstenröcke und Hoheitszeichen zerschnitten,
am Boden in zahllosen bunten Fetzen liegen,

erst wenn Freiheit, Demut und Wille regieren,
die Rechte des einfachen Ich;
das Kleine wieder zum Großen wird,
das Glück zum Ziele der Macht,

dann wird wieder Frieden sein
in dieser grausamen Welt.

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