Vom Verhältnis zur Schönheit

annsophie2006bildvon Markus Lochmann
Die Schönheit ist allem Seienden immanent, denn sie ist ein elementarer Bestandsteil des erzeugenden Gedankens. Die Schönheit ist also aller Dinge Eigenschaft – sie ist qua Geburt in allem und jedem vorhanden. Das nenne ich objektive Schönheit.

Als Subjekt jedoch beginnen wir Menschen das Schöne erneut zu erlernen – von außen. Durch Eltern und Schule, Freunde und Kultur schaffen wir in uns ein Bild der Schönheit, welches nur ein abstraktes, gelerntes, gefiltertes und unvollständiges Abbild der natürlichen Schönheit ist. Das nenne ich subjektive Schönheit.

Unser Geist ist des Wahren schöner Spiegel. Und unser Verstand ist dessen Verzerrung.

Bevor wir meinen, das vermeintlich Schöne erkennen zu können, betrachten wir es zunächst mit großem Staunen: der rote Spielball des Kindes, Mutters runde Augen, die Helligkeit der Sonne, die Bläue des Himmels. Die Phase des Staunens ist die einer naiven Ästhetik und Weltsicht. Sie ist verzerrt in der Wahrnehmung, dabei aber wertfrei und ungefährlich. Es ist die kindliche Schönheit, die man bestaunt.

Die reifere Schönheit bestaunt man nicht mehr, sie muss man verehren. So sind es die großen Werke des menschlichen Schaffens, die wir verehren, die Bilder, Gemälde, Texte, die alternden Ordensträger der Gesellschaft – sie werden wegen der Schönheit der vergangenen Leiden oder ihrer Überlegenheit im Geistigen verehrt.

Die wahre Schönheit jedoch ist in denjenigen verborgen, die bewundern und staunen. Und nun ist es höchste Aufgabe der Kunst durch ihre Existenz dem Betrachter den Zugang zu seiner eigenen schöpfungsimmanenten Schönheit zu ermöglichen.

Wenn dies gelingt, wenn diese Verbindung existiert, wenn also Objekt-Schönheit sich mit Subjekt-Schönheit verbindet – dann entsteht Neues. Gleichstellung der Schönheit auf abstrakten Niveau. Diese Schönheit ist zeitresistent – sie unterliegt keiner Mode. Sie vergeht nicht, denn sie ist ein Prozess, ein Prozess des Sich-Verstehens. Schönheit ist also Kommunikation. Kommunikation zwischen dem Staunenden und dem Verehrenden in Dir.

Schönheit besitzen zu wollen ist ungefähr so sinnlos, wie den Wind fangen zu wollen. Jeder, der den anderen wegen seiner Schönheit beneidet, beneidet sich also selbst. Denn auch der Neider ist mit Schönheit geboren, deren vermeintlicher Mangel – die Ursache des Neides – zeigt nur die Unfähigkeit seiner selbst, sie zu finden.

Mit Platons Worten postuliere ich also: Alles ist schön. Alles ist wahr. Alles ist gut. Wir müssen es nur verstehen.

(Oktober 2004)

“Der Stern” betreibt Selbstzensur

Kategorie: Allgemein — am Samstag, 27.Januar 2007 um 10:26 Uhr

Beim Stern war die Tage diese Meldung zu lesen:

Paris: Ehemann schlug Frauenarzt, weil dieser seine Frau am Unterleib berührte
Im September letzten Jahres hatte die Ehefrau eines Franzosen gerade ihr zweites Kind zur Welt gebracht und lag noch im Kreissaal, da kam der junge Vater des Babys hinzu und schlug auf den Frauenarzt ein. Der Grund für diese Tat war, dass die Hand des Frauenarztes den Unterleib seiner Frau berührt hatte. Da sah der junge Vater Rot, da er als Angehöriger des islamischen Glaubens so etwas nicht dulden konnte. Vor Gericht äußerte der Angeklagte jedoch, es sei “eine Frage von Scham, nicht von Religion” gewesen. Ein Richter verurteilte den Franzosen Fouad Ben M. zu 1.000 Euro Schadenersatz und einem halben Jahr Gefängnis.

Jetzt plötzlich heisst es nur noch:

News musste von unserem Team gesperrt werden!
News, die gegen unsere AGBs verstoßen, werden nicht angezeigt.

Das ist ausgeübte Pressefreiheit und objektive Berichterstattung a la Stern-Online. Gratulation.

Neue Gallery mit lightbox.js

Kategorie: Pics — am Samstag, 27.Januar 2007 um 08:53 Uhr

Der Apfelbaum

Kategorie: Lyrik — am Mittwoch, 3.Januar 2007 um 03:44 Uhr

Knorrig steht,
vom Winde geschunden
einsam ein Baum
sein Stamm stark gewunden.

Beugt sich,
am Gipfel, am eisigen Berg
des quälenden Windes
grausames Werk

Oft schon hat der Sturm
ihm Äste gebrochen
mit wütender Kraft
ihm Wunden gestochen

Oft schon klagte
knarrend der Baum
als wäre vorüber
sein Lebenstraum

In der Ruhe des Sommers
in blühender Pracht
wird nur an die Schönheit
des Baumes gedacht

der erlangt seine harte,
fast edle Form
in den Kämpfen des Winters
die toben enorm

Geerntet mit Freuden
wird die herbstliche Frucht
die klein aber würzig
bringt Gottes Wucht

Sein wahres Sein
offenbart er in den Tagen
in denen die Wolken
am Himmel sich jagen,

in denen durch
das Brechen der Äste
verwirklicht sich erst
wahre Form, rechte

Denn schneidet der Mensch
die anderen Bäume,
stellt sie in Gärten
baut schützende Zäune

Und tragen dann diese
gepflegten Gestalten
die größeren Früchte
von Stangen gehalten

Doch fehlt diesen Früchten
der rechte Geschmack
und von geschwächt von der Züchtung
hängen die Äste herab

Gewiss, sie haben
des Bauern lieblichen Blick
der sie düngt und sie pflegt
mit gutem Geschick

Und doch sind sie nur
geplante Wesen
nichts kann man
aus ihren Narben erlesen

Brav gezähmt
stehn sie in Reihen
und müssen auf Willen
andrer Gedeihen

Einsam hingegen
steht auf dem Berge ganz oben
der König der Bäume
sein Stamm wirr verbogen

Und zeigt der wahren
Schönheit Gesicht
erzeugt nur
von Gottes Gericht

Geformt durch seine
unzähligen Wunden
die kein Bauer
ihm jemals verbunden

Dort streut er
seine würzigen Früchte
hoch auf dem Gipfel
in stürmische Lüfte

die weit hinaus
tragen den Samen
in Welten, in die
die anderen nie kamen

So geht hervor
aus dem knorrigen Stamm
der felsenfest steht
auf seinem steinigen Kamm

die Botschaft hinaus
in alle Welt,
das Erbe, das jeden Sturm
stande hält:

Man ehre die Krüppel
man ehre die Narben
man ehre die, die nicht
in Wohlwollen darben

denn sie sind
die wahre Kraft
die aus uns
Menschen schafft

Und Sie zeigen mit all
ihren Leiden
dass es sich lohnt

Mensch zu bleiben.

(30.4.2001)

Reihenfolgen

Kategorie: Lyrik — am Mittwoch, 3.Januar 2007 um 03:24 Uhr

Oftmals folgt
dem schnellen Reichtum
die langsame Erkenntnis.

Ich bevorzuge den
umgekehrten Weg.