Vom Verhältnis zur Schönheit
von Markus Lochmann
Die Schönheit ist allem Seienden immanent, denn sie ist ein elementarer Bestandsteil des erzeugenden Gedankens. Die Schönheit ist also aller Dinge Eigenschaft – sie ist qua Geburt in allem und jedem vorhanden. Das nenne ich objektive Schönheit.
Als Subjekt jedoch beginnen wir Menschen das Schöne erneut zu erlernen – von außen. Durch Eltern und Schule, Freunde und Kultur schaffen wir in uns ein Bild der Schönheit, welches nur ein abstraktes, gelerntes, gefiltertes und unvollständiges Abbild der natürlichen Schönheit ist. Das nenne ich subjektive Schönheit.
Unser Geist ist des Wahren schöner Spiegel. Und unser Verstand ist dessen Verzerrung.
Bevor wir meinen, das vermeintlich Schöne erkennen zu können, betrachten wir es zunächst mit großem Staunen: der rote Spielball des Kindes, Mutters runde Augen, die Helligkeit der Sonne, die Bläue des Himmels. Die Phase des Staunens ist die einer naiven Ästhetik und Weltsicht. Sie ist verzerrt in der Wahrnehmung, dabei aber wertfrei und ungefährlich. Es ist die kindliche Schönheit, die man bestaunt.
Die reifere Schönheit bestaunt man nicht mehr, sie muss man verehren. So sind es die großen Werke des menschlichen Schaffens, die wir verehren, die Bilder, Gemälde, Texte, die alternden Ordensträger der Gesellschaft – sie werden wegen der Schönheit der vergangenen Leiden oder ihrer Überlegenheit im Geistigen verehrt.
Die wahre Schönheit jedoch ist in denjenigen verborgen, die bewundern und staunen. Und nun ist es höchste Aufgabe der Kunst durch ihre Existenz dem Betrachter den Zugang zu seiner eigenen schöpfungsimmanenten Schönheit zu ermöglichen.
Wenn dies gelingt, wenn diese Verbindung existiert, wenn also Objekt-Schönheit sich mit Subjekt-Schönheit verbindet – dann entsteht Neues. Gleichstellung der Schönheit auf abstrakten Niveau. Diese Schönheit ist zeitresistent – sie unterliegt keiner Mode. Sie vergeht nicht, denn sie ist ein Prozess, ein Prozess des Sich-Verstehens. Schönheit ist also Kommunikation. Kommunikation zwischen dem Staunenden und dem Verehrenden in Dir.
Schönheit besitzen zu wollen ist ungefähr so sinnlos, wie den Wind fangen zu wollen. Jeder, der den anderen wegen seiner Schönheit beneidet, beneidet sich also selbst. Denn auch der Neider ist mit Schönheit geboren, deren vermeintlicher Mangel – die Ursache des Neides – zeigt nur die Unfähigkeit seiner selbst, sie zu finden.
Mit Platons Worten postuliere ich also: Alles ist schön. Alles ist wahr. Alles ist gut. Wir müssen es nur verstehen.
(Oktober 2004)






































