Exzerpt: Fünf Schwierigkeiten beim Schreiben der Wahrheit

Schon immer kämpften die Schreibenden mit den Herrschenden: Das folgende Exzerpt aus einem Artikel von Bertold Brecht aus 1938 zeigt erstaunlich universelle Problemstellungen bezüglich der Wahrheitsfindung in der Gesellschaft. Brecht war Kommunist in der Nazizeit und dadurch besonders bedroht. Und doch hat er, abseits von aller politischer Differenz und unterschiedlicher Gesellschaftsauffassung einige Grundängste der Literaten formuliert, die auch heute noch Aktualität besitzen. Eher amüsant fand ich seine Argumenationsbasis, aus der auch ich oft meine (eher gegensätzlichen!) Positionen beziehe: Voltaire, Thomas Moore, Hegel, Shakespeare. Doch urteilen Sie selbst.


“Fünf Schwierigkeiten beim Schreiben der Wahrheit

1. Der Mut, die Wahrheit zu schreiben
2. Die Klugheit, die Wahrheit zu erkennen
3. Die Kunst, die Wahrheit handhabbar zu machen als eine Waffe
4. Das Urteil, jene auszuwählen, in deren Händen die Wahrheit wirksam wird
5. Die List, die Wahrheit unter vielen zu verbreiten

Sprüche eines Philosophen

Kategorie: Essay — am Montag, 24.Juli 2006 um 03:23 Uhr

Beginnende Bildung fängt häufig mit dem Tadel an, da es am einfachsten ist, etws, z.B. eine Wahrheit, zu bewerten, irgendeine meist abfällige Meiung darüber zu fällen; eine gehaltvolle Äußerung zu verstehen ist schon schwieriger, doch am anstrengensten ist es, etwas bestandhabendes Aussagekräftiges zu schaffen, denn dafür bedarf es sowohl einer korrekten Aufnahme, als auch eines Urteils . Das leichteste ist, was Gehalt und Gediegenheit hat, zu beurteilen, schwerer, es zu fassen, das schwerste, was beides vereinigt: seine Darstellung hervorzubringen.


Um Schuhe herzustellen, reicht es nicht aus, daß jeder Füße als Maßstab und Hände als Werkzeug besitzt. Dies wird zugegeben, aber es wird oft nicht zugegeben, daß man auch sein Denken erst ausgebildet haben muß, um die Philosophie verstehen zu können.

Bevor man also qualifiziert über Philosophie mitstreiten kann, hat man zunächst die Pflicht, das Geschwätz zurückzuhalten. Dies, kann man überhaupt sagen, ist eine wesentliche Bedingung für jede Bildung.