Der Mond

Er leuchtet in der Ferne
scheint sein Lichte fahl,
- spüre ich die Wärme
trotz der dunklen Qual

Auch kaltes Licht das strahlet
Liebe in sich aus
So wie all die Sterne
senden Leben aus

Der Mond ist nur ein Spiegel
der die warme Sonne bricht
Und wenn ich daran denke:
- kalt ist das Dunkel nicht

Und wenn am nächsten Morgen
der Tag so hell erstrahlt
sind all die vielen Geister
der dunklen Nacht verjagt

Auch im hellsten Sonnenlicht
das strahlt vom Himmel heiß
vergesse ich den Mondschein nicht
mit seinem bleichen Weiß

Der mir den Weg durch’s Dunkel zeigt
- immer, Nacht für Nacht
auch wenn das Schwarz dem Ende neigt
und mein Leben wieder lacht

Ohne ihn gäb’s Hoffnung nicht
für uns Seelen ohne Schlaf
und ohne dich kein Sonnenlicht
für einen, den das Dunkel bitter traf

“Was mich bewegt” von Rainer Maria Rilke

Kategorie: Lyrik — am Samstag, 19.September 2009 um 06:59 Uhr

Man muss den Dingen
Die eigene, stille,
ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt,
und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann;
alles ist austragen -
und dann
Gebären…

Reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen
des Frühlings steht,
ohne Angst,
dass dahinter kein Sommer
kommen könnte.
Er kommt doch!

Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind,
als ob die Ewigkeit vor ihnen läge,
so sorglos still und weit …

Man muss Geduld haben,
gegen das Ungelöste im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
geschrieben sind.

Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt,
lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antwort hinein.

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