Kastanienbaum im Herbst

riechst du ihn?
den geruch der modernden kastanienlaubes.
komm. rück ein wenig näher. ganz nah, so.
sieh, der baum stirbt, könnte man meinen.
dabei wirft er nur seinen glänzenden mantel ab. seinen anzug.
seine schminke. sein tupee.
nicht das gelb des herbstes hat
seine wangen geschmückt,
nicht das rot der nahenden kälte.
der blätter saft, ihr reifes grün,
das leben schlechthin, waren seine fassade.
hinter ihr verbarg er sein knorriges schwaches gerüst.
als atmete er ein, zieht er nun
seinen saft in die geschützten wurzeln zurück.
dabei fällt die fassade in tosendem sturm,
krachen die äste, bloss liegt
der schwarze unförmige rumpf.
im schutze der kälte dann,
verborgen im radikus, umwogen von
seinem reifendem saft, schlummert der
riese von der welt unbemerkt.
wie stachelig doch seine früchte sind.
und wieviel nahrung sie enthalten.
auch im nächsten jahr werden derer früchte wohl viele sein.
siehst du, so ist das leben.
manch kahler baum sammelt sich
an seinen wurzeln.
und siehst du auch, manch
fallende fassaden dienen dem rückzug
in mutter erdes schützenden schoss.
zur besinnung. zu sich.
und riechst du ihn, wanderer,
den modrigen geruch? Es ist auch
der menschheit geruch,
der geruch allen lebens.

Der Apfelbaum

Kategorie: Lyrik — am Mittwoch, 3.Januar 2007 um 03:44 Uhr

Knorrig steht,
vom Winde geschunden
einsam ein Baum
sein Stamm stark gewunden.

Beugt sich,
am Gipfel, am eisigen Berg
des quälenden Windes
grausames Werk

Oft schon hat der Sturm
ihm Äste gebrochen
mit wütender Kraft
ihm Wunden gestochen

Oft schon klagte
knarrend der Baum
als wäre vorüber
sein Lebenstraum

In der Ruhe des Sommers
in blühender Pracht
wird nur an die Schönheit
des Baumes gedacht

der erlangt seine harte,
fast edle Form
in den Kämpfen des Winters
die toben enorm

Geerntet mit Freuden
wird die herbstliche Frucht
die klein aber würzig
bringt Gottes Wucht

Sein wahres Sein
offenbart er in den Tagen
in denen die Wolken
am Himmel sich jagen,

in denen durch
das Brechen der Äste
verwirklicht sich erst
wahre Form, rechte

Denn schneidet der Mensch
die anderen Bäume,
stellt sie in Gärten
baut schützende Zäune

Reihenfolgen

Kategorie: Lyrik — am Mittwoch, 3.Januar 2007 um 03:24 Uhr

Oftmals folgt
dem schnellen Reichtum
die langsame Erkenntnis.

Ich bevorzuge den
umgekehrten Weg.

Spruch im November 06

Kategorie: Lyrik — am Sonntag, 26.November 2006 um 01:20 Uhr

“In Diktaturen wird man für sein Denken eingesperrt – in Demokratien hingegen sperrt man die Denkenden aus.”
oder anders:
“Diktaturen sperren ihre Denker ein – Demokratien sperren sie aus.”

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