Thomas MorusThomas Morus (engl. Thomas More) (1478 – 1535, beides London) war ein englischer Staatsmann und humanistischer Autor. Er ist Heiliger der Römisch-Katholischen Kirche. Sir Thomas More war Sohn eines Richters. Er studierte Latein, Griechisch und Recht. Er wurde Rechtsanwalt. 1504 wurde er Parlamentsmitglied. Von 1510 an war er acht Jahre lang einer von zwei sogenannten Undersheriffs von London und lehrte an Lincoln’s Inn Recht.

König Heinrich VIII. wurde auf More aufmerksam und schickte ihn auf diplomatische Missionen. 1516 verfasste Morus das 1. Buch der Utopia. 1517, mit 39 Jahren, trat er ganz in den Dienst des Königs, der ihn bald zum Mitglied des Geheimen Rates machte. 1521 wurde er zum Ritter geschlagen. 1523 wurde er Parlamentssprecher und 1529 Lordkanzler, eine Position, die etwa der des heutigen Premierministers entspricht.

1532 trat er vom Amt des Lordkanzlers zurück. 1534 verweigerte er vor dem Kronrat den Suprematseid und wurde im Tower of London gefangen gesetzt. Er hatte bereits zuvor seine Grabinschrift verfasst und sich aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen. Das Parlament verhängte die Acht über ihn und zog sein Vermögen zugunsten der Krone ein.

More war ein entschiedener Gegner von Martin Luther und half Heinrich VIII., eine Arbeit über ihn zu schreiben, die dem König den Titel „Verteidiger des Glaubens“ eintrug. Bis zu seinem Tode schrieb Morus religiöse Traktate und Trostschriften. 1535 verurteilte ihn ein Sondergericht zum Tode, am 6. Juli wurde Thomas Morus im Alter von 57 Jahren hingerichtet.

Thomas More war ein ungewöhnlich gebildeter Mann, gleichzeitig fachkundiger Jurist und ein geschickter Unterhändler. Seine Unparteilichkeit wurde gerühmt. Er galt als ausgezeichneter Administrator, der sämtliche anhängigen Gerichtsfälle erledigte, was etwas noch nie dagewesenes darstellte. Als römisch-katholischer Christ setzte er sich konsequent für die Autorität des Vatikans ein. Gleichzeitig focht er mit der Feder für ein humanes Miteinander der Menschen.

Sein bekanntestes Werk ist „Utopia“ (griechisch von Ou-Topia, Nirgendland, dagegen wäre Eu-Topia das Besserland…), in dem er ein erfundenes, idealtypisches Inselkönigreich beschreibt. Damit greift er auf die bereits von Platon im „Timaios“ angewandte Methode zurück. Einige moderne Gelehrte verstehen es als ein idealisiertes Gegenbild von Mores zeitgenössischem Europa, andere sehen darin eine boshafte Satire desselben. Der Buchtitel prägte den Begriff „Utopie“.

Rahmenhandlung des Romans sind die Erzählungen eines Seemannes, der eine Zeit lang bei den Utopiern gelebt haben will. Der Roman beschreibt eine auf rationalen Gleichheitsgrundsätzen, Arbeitsamkeit und dem Streben nach Bildung basierende Gesellschaft mit demokratisch-kommunistischen Grundzügen. In der Republik ist aller Besitz gemeinschaftlich, Anwälte sind unbekannt, und unabwendbare Kriege werden bevorzugt mit ausländischen Söldnern geführt. Die Interessen des Einzelnen sind denen der Gemeinschaft untergeordnet. Wie in einem idealen Kloster hat jeder zu arbeiten; jedermann bekommt Bildung und genießt religiöse Toleranz.

Nachhaltigste Wirkung hatte das Plädoyer des fiktiven Berichterstatters über Utopia für die Abschaffung des Privateigentums.
„Indessen… scheint mir – um es offen zu sagen, was ich denke – in der Tat so, dass es überall da, wo es Privateigentum gibt, wo alle alles nach dem Wert des Geldes messen, kaum jemals möglich sein wird, gerechte oder erfolgreiche Politik zu treiben, es sei denn, man wäre der Ansicht, dass es dort gerecht zugehe, wo immer das Beste den Schlechtesten zufällt, oder glücklich, wo alles an ganz wenige verteilt wird und auch diese nicht in jeder Beziehung gut gestellt sind, die übrigen jedoch ganz übel…
 (T. Morus: Utopia in „Der utopische Staat“, Hg. E. Grassi, Rowohlt, 1960, Seite 44)

Die Erstveröffentlichung des Werks erfolgte auf Betreiben des berühmten Humanisten Erasmus von Rotterdam 1516 in Löwen, weitere Drucke folgten 1517 in Paris und 1518 in Basel. Nach dem Erscheinen wurde die Utopia bald in mehrere Sprachen übersetzt und wurde der Vorläufer der Romanutopie (u.a. Voltaire: Candide 1759).

Das Buch war so prägend für die spätere Literatur, dass man fortan jeden Roman, in dem eine erfundene, positive Gesellschaft dargestellt wird, als Utopie oder utopischen Roman bezeichnete. Bedeutende Utopien nach Utopia waren A Modern Utopia von H. G. Wells, Ecotopia von Ernest Callenbach und Dinotopia von James Gurney.

Thomas Morus kreierte zwar eine „neue These“; dabei stützt er sich aber auf Platon (Politeia, Nomoi), Cicero und andere Gelehrte vor ihm. Neueren Forschungsarbeiten zu Folge soll es sich bei Morus’ Werk um eine satirische Darstellung handeln, deren Ziel die Herabwürdigung des platonischen Gerechtigkeitsbegriffs war.

Erasmus von Rotterdam, der mehrfach bei Thomas More zu Besuch war, widmete ihm sein „Lob der Torheit“. Während More als sogenannter Undersheriff amtierte, fand er die Zeit, eine Geschichte König Richards III. zu verfassen. Sie wird – auch wegen ihrer meisterlichen Beherrschung der englischen Prosa – als Juwel der englischen Geschichtsschreibung betrachtet.

Morus begründete eine literarische Tradition der Ausarbeitung fiktiver etatistischer Staatsmodelle. Rationale Gesetzgebung und statische, prinzipiengeleitete Organisation der Lebensgemeinschaft wurden zu Garanten des Glücks erhoben. Hauptsorge der vorindustriellen Gesellschaft war die Verteilungsgerechtigkeit für eine optimale Versorgung der Bürger mit den knappen Gütern und die Bewahrung des inneren und äußeren Friedens.

Obwohl die Renaissance als Zeitalter der Entdeckung des Individuums gilt, wurde der Egoismus in seinen Formen der Sündhaftigkeit und triebhaften Unmoral als Antipode des Gemeinschaftssinns und damit als Störelement des gerechten Ausgleichs der Lebensverhältnisse und der Gemeinschaftsinteressen beschrieben.

Dem gegenüber traten im 18. Jahrhundert mit den ersten Innovationsschüben durch Wissenschaft und Technik des Zeitalters der Aufklärung die freie Entfaltung der Persönlichkeit und eine allgemeine Idee der Freiheit der Individuen als Grundvoraussetzung eines selbstbestimmten Lebens in den Vordergrund.

Quellen: www.wikipedia.de

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